Susanne Sarial
Samuel Hahnemann und die Homöopathie – Arzt oder Religionsstifter?
System ubw – Zeitschrift für klassische Psychoanalyse
21. Jahrgang, Heft 1, März 2003, S. 20-32
AHRIMAN-Verlag, Freiburg i. Br.
ISBN-13: 978-3-89484-706-7
ISBN-10: 3-89484-706-9
ISSN 0724-7923
Abstract:
Die Homöopathie »beruht ausschließlich auf der Anwendung von Arzneien«, die in solch exzessivem Maße verdünnt werden, daß keinerlei materielle Wirksubstanz mehr nachweisbar ist. Hahnemann selbst macht daraus kein Hehl, sondern erklärt den »Geist« und eine ominöse »Lebenskraft« für heilsam, die von ihm und seinen »Geboten« ausgehen. Er rückt sich damit in verdächtige Nähe zu den Eigenschaften und Fähigkeiten von Göttern, die stets – sensu Freud – der Vorstellung der in den Himmel projezierte Vater-Imago entsprechen. Um den Konkurrenz-Gedanken gegen den Vater zu leugnen, ist Hahnemanns Medizin wirkungslos; die unterlassene medizinische Hilfeleistung von überzeugten Homöopathen ist demnach ein Opfer auf dem Altar des ödipalen Aggressionstabus. Umgekehrt wird die wirkungslose, insbesondere nicht invasive Homöopathie von Patienten geschätzt, weil körperliche Eingriffe von außen die unbewußte Kastrationsdrohung aktivieren; der Verzicht auf wirksame Medizin ist aus ihrer Sicht ein Tribut an die Kastrationsangst.
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