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Fritz Erik Hoevels
Maccobys Theorie des Menschenopfers und des Antisemitismus

System ubw Zeitschrift für klassische Psychoanalyse
23. Jahrgang, Heft 1, Oktober 2005
AHRIMAN-Verlag, Freiburg
ISBN: 978-3-89484-708-1
ISBN-10: 3-89484-708-5
ISSN: 0724-7923


Abstract:

Gemäß der Theorie des englischen Altphilologen Hyam Maccoby hat sich von neolithischer Zeit an die Tendenz entwickelt, in kritischen Situationen Menschenopfer zu vollziehen und das dabei entstehende Schuldgefühl auf eine dritte Person abzuwälzen, die er den »Heiligen Henker« nennt. Durch den christlichen Mythos von den metaphysischen Wirkungen und Hintergründen der Kreuzigung Jesu sind die Juden für die Christen zum kollektiven Heiligen Henker geworden, womit der Antisemitismus entstanden bzw. seine unverwechselbaren Züge erhielt.
    Die Verschiebung der eigenen Schuld auf eine andere Person entspricht dem der Psychoanalyse wohlbekannten Mechanismus der Projektion; dadurch wird Maccobys historisch-funktionale Rekonstruktion zu einer ihrer zusätzlichen Bestätigungen. Allerdings ist der Drang, ein Menschenopfer zu vollziehen, seinerseits erklärungsbedürftig. Diese Opfer wird hier, anders als bei Freud, dessen berühmte Theorie nur auf das paläolithische Tieropfer paßt, vom Tod eines (oder mehrerer) Initianden bei den entsprechenden archaischen Riten abgeleitet; das durch diesen Stellvertretertod abgetragene Schuldgefühl ist somit das ödipale, das durch dessen Tötung entstandene nur sekundär. Projiziert werden beide; mit der Ablösung des Menschenopfers durch das Tieropfer überlagern und verflechten sich beide Stränge von Ritualhandlungen (Reinszenierung der Urvatertötung und Tod von Initianden), welche auf den ältesten, paläolithischen Stufen noch getrennt waren.







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