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Fritz Erik Hoevels
Die Psychoanalyse und die neueren Erkenntnisse der Biologie

System ubw Zeitschrift für klassische Psychoanalyse
24. Jahrgang, Heft 1, April 2006
AHRIMAN-Verlag, Freiburg
ISBN: 978-3-89484-709-8
ISBN-10: 3-89484-709-3
ISSN: 0724-7923


Abstract:

Freud entwickelte seine »hausgemachte« Triebtheorie ohne tieferes Verständnis evolutionärer Prozesse (das zu seiner Zeit durchaus schon möglich war). Dies führte in der von ihm begründeten Lehre, der Psychoanalyse also, zu einem Defizit an Wissenschaftlichkeit, das von deren Feinden bis heute begierig aufgegriffen, von seinen Schülern aber niemals korrigiert wurde. Um die Psychoanalyse vom Ruch des Obskuren zu befreien, muß ihre mitgeschleppte Triebtheorie durch diejenige der modernen Verhaltensforschung (beginnend mit Lorenz und Tinbergen) ersetzt werden, Todes- und »Aggressions«-Trieb haben zu verschwinden. Das Überich muß als früh (vielleicht in einer sensiblen Phase) verfestigter, wohl hauptsächlich im Frontallappen gespeicherter Niederschlag schlechter Erfahrungen des Individuums in der Horde gelten. Der Wirkmechanismus der psychoanalytischen Therapie hat im Erfolgsfall davon, frühe, modellbildende Rangkampfniederlagen rückgängig zu machen, indem er die Verdrängungen umgeht.
    Die neuronale Grundlage der Verdrängung dürfte ein Prozess sein, in welchem hochaversives Material, das in Assoziationsfeldern gespeichert ist, bei seiner Anschaltung zur Abschaltung genau desjenigen (neutralen, angenehmen oder mässig aversiven) Materials führt, das ansatzweise zur Anschaltung des hochaversiven Materials geführt hatte (und damit die Abschaltung des hochaversiven, eigentlich verdrängten Materials bewirkt, bevor dessen Anschaltung stabil werden konnte). Sokolov hat die Existenz analoger neuronaler Verschaltungen schon vor Jahrzehnten nachgewiesen. Das nur wenig aversiv verschaltete periphere Material, dessen Anschaltung Freuds »freie Assoziation« fördert, vermag u.U. die Abschaltung des hochaversiven Materials zu verzögern, bis dessen Stabilisierung (»Bewusstwerdung«) neuroelektrisch abgeschlossen ist (ähnlich wie vergleichbare Prozesse auf einem Computer-Bildschirm). Dies macht die Verdrängung und deren therapeutische Rückgängigmachung als Wirkmechanismus der Psychoanalyse verständlich. Als Alternative Überich-beeinträchtigten oder -selektierten Verhaltens ist dasjenige der bedingten Kooperativität (»tit for tat«) zu verstehen, zu dessen Erlernen der Patient zu ermutigen ist.







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