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Peter Priskil
Eine Onanie-Phantasie bei Balzac

System ubw – Zeitschrift für klassische Psychoanalye
26. Jahrgang , November 2008
ISBN 978-3-89484-712-8
ISSN: 0724-7923


Abstract:

Die immense Produktivität des Schriftstellers Honoré de Balzac (1799-1850) diente, seinen eigenen Aussagen zufolge, dem Erwerb von »Liebe und Ruhm« – jenen zwei Elementen, die Freud als konstitutiv für eine alltägliche Phantasiebetätigung, den »Tagtraum«, erkannt hatte. Diese einfache Phantasie, zugleich Keimform der literarischen Produktivität, weist zwei Eigenheiten des frühinfantilen Denkens auf: Allmacht des phantasierenden Subjekts und magisches Denken (Gleichsetzung der innerpsychischen Wahrnehmung eines Wunsches mit der Realisierung = »Lustprinzip«).Das »Chagrinleder«, jenes ominöse Objekt in Balzacs gleichnamigen Roman, sichert seinem Besitzer jene Allmacht und gewährt ihm die sofortige Erfüllung eines jeden (sexuellen, ehrgeizigen) Wunsches. Es ist zugleich die symbolische Repräsentation des Penis (es schrumpft nach jeder Wunscherfüllung). Die Analyse des Romans erweist, daß der Gebrauch des »Chagrinleders« unbewußt dem onanistischen Akt mit begleitender Phantasiebetätigung entspricht, die auf den sexuellen Besitz der Mutter (Inzest) und auf die Beseitigung des väterlichen ödipalen Rivalen abzielt. Das »Chagrinleder« enthält ferner den Niederschlag des elterlichen Onanieverbots, das in der Strafphantasie kulminiert, am Genitale Schaden zu erleiden (Kastrationsangst) resp. wegen Onanie und Inzestwunsch sterben zu müssen. Aufgrund der Strafangst erfolgt die Regression auf die anale Stufe; an die Stelle der Libido tritt das Interesse am Geld (Kot). Sparsamkeit und Verschwendung, sexuelle Askese und »Ausschweifungen« kennzeichnen das Leben Balzacs wie das Schicksal seiner Romanprotagonisten.







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