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Kerstin Steinbach
Der »friedliche« Buddhismus und seine »bösen« Götter die Dharmapalas

System ubw Zeitschrift für klassische Psychoanalyse
25. Jahrgang, Heft 2, November 2007
AHRIMAN-Verlag, Freiburg
ISBN: 978-3-89484-711-1
ISSN: 0724-7923


Abstract:

Der Beitrag bestätigt am Beispiel des im tibetischen Raum verbreiteten Tantrayana-Buddhismus die zentrale Entdeckung Sigmund Freuds, daß der Ödipuskomplex obligates Fundament der Religion ist. Im Zentrum der Betrachtung stehen die furchteinflößenden Krodha-Götter (Dharmapalas), deren Ikonographie den Nachweis des Kastrationskomplexes als Quelle und Gestaltungsschwerpunkt erlaubt. Eine gesonderte Betrachtung ist der einzigen weiblichen Krodha-Gottheit, Devi Lhamo, gewidmet. Die Analyse ihrer Darstellung zeigt eine bemerkenswerte Parallele zur antiken Medusenhaupt-Ikonographie. Der unbewußte Gehalt beider entspringt der für den Knaben entsetzlichen Entdeckung der Penislosigkeit der Frau. Diese wird auf der Grundlage der mit dem Ödipuskomplex verlöteten Kastrationsangst als Kastrationsergebnis, die weibliche Geschlechtöffnung als Kastrationswunde, das heißt als Strafe für verbotene sexuelle Wünsche oder Handlungen wahrgenommen und aktiviert so die Ängste bezüglich der eigenen Person. Die Darstellungen verarbeiteten jeweils Elemente antiödipaler Drohung, enthalten aber auch solche der Drohungsabwehr bzw. ödipalen Selbstbehauptung. Letztere finden insbesondere in den Bildprogrammen der Gläubigen recht ausschweifende Darstellung. Damit bleibt sich der Buddhismus seiner im Vergleich zur abrahamitischen Konkurrenz menschenfreundlicheren (nicht menschenfreundlichen) Tendenz treu, was auf den historisch tradierten Schwächestatus dieser Religion zurückzuführen ist.







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