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Peter Priskil
Die Träume in Joris-Karl Huysmans' Roman »En Rade«

System ubw Zeitschrift für klassische Psychoanalyse
25. Jahrgang, Heft 2, November 2007
AHRIMAN-Verlag, Freiburg
ISBN: 978-3-89484-711-1
ISSN: 0724-7923


Abstract:

Das Leben des symbolistischen Schriftstellers Joris-Karl Hysmans (1848 - 1907) weist eine eigentümliche Zäsur auf: Nachdem er mit seinem Roma A Rebours die programmatische Schrift dieser Kunstrichtung verfaßt, die individuelle und künstlerische Freiheit verteidigt hatte, erkrankte er in seinem fünften Lebensjahrzehnt an einem religiösen Wahn, der eine Zurücknahme seines ganzen bisherigen Schaffens darstellte. Kurrz zuvor hatte er in seinem Roman En Rade (1886) drei längere autobiographische Traumpassagen eingeführt auch dies ein Novum in der europäischen Literatur , deren psychoanalytischen Deutung die Freilegung der infantilen Wurzeln seiner späteren wahnhaften Erkrankung ermöglicht. Im Zentrum steht die Beobachtung des elterlichen Koitus durch das Kind (die sogenannte "Urszene") mit intensiven Haßgefühlen gegen die väterlichen ödipalen Rivalen, die in dem Wunsch kulminieren diesen zu kastrieren, sowie die sadistische Koitusauffassung (Kastration der Frau durch den Mann im sexuellen Akt). Inzest- und Todeswunsch werden verdrängt und im späteren Wahn durch die antiödipale Reaktionsbildung aus Sexualekel und Kastrationsangst ersetzt. Die als kastriert phantasierte und daher als Gefahr empfundenen sinnliche Frau ("Hexe") bildet die grundlage für seine wahnhafte Misogynie; das Ideal des erkrankten Hymanns ist fortan die asexuelle "rene" Mutter ("Maria").







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