Fritz Erik Hoevels
Waitoreke
Stück in einem Akt
Über den Autor
Komplette Lesung des Buches vom Autor persönlich.
Auf 2 CDs erhältlich für
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Bibliophile Ausgabe im Schuber
mit einem farbigen Bildnis und einem Nachwort des Autors
sowie sechs Graphiken, zwei Tonkassetten und zwei CDs
86 S.
EUR 49,- / sFr 80,-
ISBN-13: 978-3-922774-81-5
ISBN-10: 3-922774-81-4
Erschienen 1993
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Zitat:
"Wer dieses Stück verstanden hat,
hat die Hälfte von allem verstanden,
was sich zu verstehen lohnt."
Gespenster
Erik Hoevels in einer bibliophilen Ausgabe
von Hans-Dieter Schütt
Der Autor sagt im Nachwort von sich, er sei ein »ebenso machtloser wie vereinzelter, gedemütigter und ungeschickter Mensch«. Aufgeführt wurde sein Stück daher nie, und früh und gründlich hätten die Umstände das Ihre dazu beigetragen. Die Umstände – also: »erst die Verblödung Deutschlands (nämlich durch Brandts Berufsverbote) und dann der ganzen Welt (nämlich durch die US-Weltherrschaft bzw. das Ende jeder staatlichen Souveränität außerhalb der Grenzen des imperialistischen Kernlands)«. So blieb nur eine Veröffentlichung als Buch, um das Werk »vor dem allen Feinden von Geist, Freiheit und Würde so wohlgefälligen Untergang zu bewahren«.
So starke wie verzweifelte Worte eines seltsamen Dramatikers. »Waitoreke« heißt der Einakter von Fritz Erik Hoevels, der in einer bibliophilen Ausgabe – gedruckt auf Büttenpapier im Schuber, mit Grafiken und Tonkassetten – herauskam. Gespräche in einem Krankenzimmer. In einem Haus, das nachts in die Höhe wächst. Was machen Eisenbahnschienen in diesem Raum? Zwei Pfähle? Ein Gast, ein Kranker, ein Alter, ein Optimist vom Dienst und ein Psychosynthetiker im Dialog. Ein Aufzug verwandelt sich in ein Spiegelkabinett, züchtigende »Exercitien« finden statt – das Krankenzimmer als Ort, in dem die Welt ihr Höllenwesen offenbart: menschliche Ordnung geworden zu sein. Das Drinnen als Draußen: Die Anstalt setzt die Gesellschaft fort, und zwar mit deren Mitteln. Nichts, was hier nicht über sich hinaus in die eigentliche Wahrheit führt: wo Kranke aufgerufen sind, sich auf ihre Lagerstatt zu konzentrieren, ist die Assoziation zum Konzentrationslager nicht weit.
Das Waitoreke – verschlüsseltes, unfassbares Wort für jene Bindungskraft des angeblichen Gottesgebots, des vermeintlichen Ideenauftrags, des scheinbaren Vaterlandsfanals, die den Menschen versklavten. Hoevels Stück, das Peter Weiss’ Irrenanstalt von Charenton im Marat-de Sade-Stück aufruft oder die Phobiewelt des absurden Theaters, ist der heftige, böse witzige und unausweichlich katastrophische Ausdruck eines wachen, hell und höhnisch leidenden Schmerzbewusstseins. Führten Becketts Endspiele in eine Letztwelt ohne Gesellschaften, so will Hoevels ins Zentrum des Gesellschaftlichen führen. Dorthin, wo Auslöschung geschieht, aber die Menschen die Freiheit preisen. Gespensterboulevard.
Neues Deutschland, 10.12.2005
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