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Rezension aus

Neues Deutschland

22.03.2001


Beilage zur Leipziger Buchmesse 2001

DIE SO GENANNTE KULTUR

Eine Polemik
Von Martina Härtwig

Die Familie, aus der er stammt, beschrieb er einmal als "gehoben kleinbürgerlich", "mäßig aufgeklärt/rechtsliberal", für die einst die KPD Haßobjekt Nr. 1 und Hitler Nr. 2 war. Das "Adenauer-Regime" war seinem Elternhaus wie "maßgeschneidert". Und er gesteht, dass er im Alter von elf Jahren sich verpflichtet fühlte, das Familienblatt, die "erzreaktionären FAZ", Apologetin eines "aggressiven Antikommunismus" zu lesen. "Ganz wohl fühlte ich mich dabei nicht." Schließlich brach er aus und auf.

In der 100. Ausgabe der "Ketzerbriefe", der vom Ahriman Verlag herausgegebenen "Flaschenpost für unangepaßte Gedanken", nimmt Fritz Erik Hoevels unsere "so genannte Kultur" unter die Lupe. Er definiert den Begriff Kultur als "kollektiv standardisierte Kommunikation", was er mit weltgeschichtlichen Beispielen zu begründen sucht. Auch hinterfragt er kritisch neue Erkenntnisse der evolutionsbiologischen und anthropologischen Forschung, z. B. das Meme-Konzept des Briten Richard Dawkins, den er vor dem „Gejaule der hobby-biologischen Sektenbeauftragten" in Schutz nimmt. Vor allem die FDGO, wie sie sich in der Realität nackt zeigt, die so genannte Staatskirche und der Ur-Typ des deutschen Professors sind ihm rote Tücher.
In seiner Polemik gegen die Fetischisierung des Faktischen gelingen ihm teils brillante Gedankensplitter. Manche Ausdrucksweise überschreitet indes schon die Grenzen des guten Geschmacks. Fazit: Eine spannende und anregende, bisweilen aber anstrengende und verwirrende Lektüre.




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