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Peter Priskil
Die Hinrichtung Ludwigs XVI.
Eine Studie zur Funktionsweise der Übertragung


System ubw Zeitschrift für klassische Psychoanalyse
2. Jahrgang, Heft 1, Juni 2002, S. 31-55
AHRIMAN-Verlag, Freiburg i. Br.
ISBN: 978-3-89484-705-0
ISBN-10: 3-89484-705-0
ISSN: 0724-7923


Abstract:

Die Hinrichtung des Königs Ludwig XVI. zählt zu den wesentlichsten Schlüsselereignissen der französischen Revolutionsgeschichte. Aus den erhalten gebliebenen Dokumenten, Protokollen der Parlamentsdebatte, läßt sich ersehen, daß die unterschiedlichen Voten über das Schicksal des Monarchen Tod, Haft respektive Begnadigung nicht allein den widersprüchlichen politischen Interessen entsprechen, sondern darüber hinaus einen interessanten, psychologisch verwertbaren Aspekt aufweisen: Die Länge der Redebeiträge variiert in statistisch signifikanter Weise je nach Votum und läßt sich den topischen Kategorien der Psychoanalyse zuordnen. Am wenigsten aufwendig, d. h. am wortärmsten, sind die Ich-konformen, auf Freiheit und Selbstbestimmung basierenden Plädoyers der Revolutionäre (= Hinrichtung), doppelt so umfangreich sind die gehorsam und Unterwerfung einfordernden Reden der königsloyalen Abgeordneten (= Begnadigung, Überich-Position). Am aufwendigsten gestaltet sich das Lavieren zwischen Ich und Überich mit letztendlicher Kapitulation vor dem Überich, die Ausführungen der Unentschlossenen, die das dreifache Quantum an Energieaufwand und Redefluß beanspruchen. Der Autor untersucht verschiedene typische Strategien, mit deren Hilfe die Herrschaft des ins Wanken geratenen Überichs gesichert werden soll Begriffsverwirrung, Zeitgewinn, Umkehr der Beweislast, Bereitstellung von Rationalisierungen, schließlich Sentimentalität und Pathos, die sämtlichst auf die Herstellung einer gefestigten Übertragung abzielen. Der geheime Sinn der Debatte besteht in der Festigung der Überich-Position, ihre Heftigkeit entspricht der Schärfe des Konflikts zwischen Ich und Überich, die letztendlich hauchdünne Mehrheit für die Hinrichtung bei eindeutiger Sachlage spiegelt die Brisanz dieses nicht nur politisch, sondern psychisch energiegeladenen Konflikts wider.







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